Offener Brief an die AOK

9. Juli 2009

Ich möchte das Schreiben von Dr. Heinemeyer an den Bundesvorstand der AOK kommentieren. Die Argumentation dient meiner Meinung aber als Begründung dafür, dass Patienten Ihren Ärzten öffentliche Rückmeldung geradezu geben MÜSSEN.

Schlimm genug, dass es die beschriebenen Konflikte gibt (wobei oft auch der Ton die Musik macht).
Es ist natürlich zu vermuten, dass es genügend Kollegen von Herrn Dr. med. Heinemeyer gibt, die sich auch um den zweiten und dritten Fall im Sinne der Patienten kümmern.

Es geht aber gar nicht um eine kollektive Diffamierung der Ärzteschaft, daher kann ein Bewertungsportal auch kaum einen “Flurschaden” für das gesamte Gesundheitswesen anrichten. Im Umkehrschluss sollte aber auch die Ärzteschaft oder Ihre Interessensvertreter kein Interesse an der kollektiven Verschleierung individuellen Fehlverhaltens haben.

Eine geschütze Atmosphäre ist für viele Patienten eine wichtige Voraussetzung, um ehrliches Feedback zu geben (weil leider einige Ärzten mit Kritik nicht umgehen können). Und dieses ehrliche – weil anonyme – Feedback ist vielen Ärzten auch wichtig, die ein ernsthaftes Interesse an der Meinung ihrer Patienten und die ein umfassendes Qualitätsverständnis haben.

Es geht letztlich um ein besseres Verständnis auf beiden Seiten!

Offener Brief an die AOK
Dr. Dietrich Heinemeyer
Am Altenberg 3
97334 Nordheim

Herrn
Jürgen Graalmann – persönlich
Stellv. Bundesvorsitzender der AOK
Per E-mail

Sehr geehrter Herr Graalmann,

anlässlich der Talkshow bei Frau Maybrit Illner schreibe ich Ihnen meine Bedenken gegen ein solches Internetportal, in dem Patienten ihre Meinung über die sie behandelnden Ärzte kundtun können.

In allen Gesprächen und Verlautbarungen zu diesem Thema wird immer wieder vom Vertrauen der Patienten gesprochen, das diese zu ihren Ärzten haben müssen. Eine wirkliche Vertrauensbasis kann sich verständlicherweise nur über einen längeren Zeitraum entwickeln.
Nun gibt es aber zwischen Menschen, also auch zwischen Arzt und Patient, keine einseitige Vertrauensbasis. Keine vertrauensvolle, von gegenseitigem Respekt geprägte Beziehung ist einseitig. Auch wir Ärzte müssen unseren Patienten Vertrauen schenken können. Auch wir Ärzte müssen uns auf unsere Patienten zu ihrem eigenen Wohl verlassen können! Über das Vertrauen der Patienten wird viel gesprochen und ist wahrscheinlich schon alles gesagt. Niemand jedoch spricht über das Vertrauen des Arztes zum Patienten.
Gegen unrechtmäßige Anschuldigungen und Verunglimpfungen könnten wir uns überhaupt nicht wehren, weil dann das Arztgeheimnis verletzt werden würde. Ohne konkrete Details aus den anvertrauten, geheimen Befunden und Gesprächen wäre sowieso keine Gegenwehr möglich. Hier wird das ärztliche Handeln in seinem sensibelsten Bereich angegriffen und dann kaputt gemacht. Es geht mir nicht um den einzelnen Arzt, sondern um den Flurschaden, den Sie für die gesamte Ärzteschaft anrichten und den die Patienten ausbaden müssen. Das freie, offene, ehrliche, wahrhaftige Gespräch, das oft auch mal unbequem sein muss zum Wohle des Patienten, steht in Gefahr! Wollen Sie das Ihren Versicherten wirklich antun?
Durch ein solches Portal wird dieses gegenseitige Vertrauen massiv zerstört und bedroht!

Ich möchte Ihnen mal einige konkrete Vorkommnisse darstellen.

1. Eine Patientin kommt zur Gesundheitsvorsorgeuntersuchung. Sie ist sehr adipös. Alles an ihr ist „kugelig rund“. Meine Bemerkung: „Frau XY, es wäre sicherlich für Sie von gesundheitlichem Vorteil, wenn Sie etwas Gewicht abnehmen würden,“ führte zum sofortigen Arztwechsel! Wenn diese Dame sich nun beschweren würde, dann sicherlich nicht unter Angabe meiner für sie nun wirklich richtigen und gesundheitsförderlichen Anmerkung.

2. Ein junger Fußballspieler forderte bei einem Muskelfaserriss am Oberschenkel folgende Verordnungsmenge und verweigerte zugleich die Behandlung bei uns und vor Ort: 10 x KG, 10x Massage mit Fango, 10x Reizstrom, 10 x Ultraschalltherapie. Ich lehnte dies ab, u.a. mit den Worten, dass dies sogar die Menge an Anwendungen einer 3 wöchigen Rehamaßnahme übersteigen würde. Er wechselte den Arzt, von dem er es auch nicht verordnet erhielt. Später habe ich erfahren, dass dieser Patient in ein „physiotherapeutisches Zentrum“ mit folgender Konstellation gehen wollte: Ein Physiotherapeut besitzt in diesem Zentrum eine Praxis mit Kassenzulassung. Dort werden Kassenpatienten behandelt. Im selben Gebäude hat dessen Bruder eine private Praxis, u.a. kommen dort viele Spitzensportler hin. Wenn nun ein Kassenpatient in diese privat abrechnende Praxis will, benötigt er eine solche Menge an Verordnungen, die der kassenärztlich tätige Bruder gegenüber den Kassen abrechnet (die Leistung aber nicht erbringt) und diesen Betrag dann an seinen Bruder weiterleitet. Zum Glück verweigerte ich diesem Patienten, der wütend meine Praxis verließ, diese Verordnung. Wie hätte ich mich gegen anonyme Verunglimpfungen in Ihrem Portal zur Wehr setzen können?

3. Eine Frau begibt sich privatärztliche Behandlung. Dieser Kollege, ein Herr Professor, verlangt spezielle Blutuntersuchungen, natürlich zu Lasten der gesetzlichen Kasse. Ich verweigere dies, denn solche fachärztlichen (privaten) Untersuchungen sind dann eben auch privat zu bezahlen oder von einem kassenärztlich tätigen Kollegen nach seinem Dafürhalten vorzunehmen. Der Arztwechsel erfolgte prompt. Würde mich diese Frau in Ihrem Portal verunglimpfen, weil ich notwendige Untersuchungen verweigern würde, würde ich nachträglich für rechtskonformes Verhalten abgestraft und könnte mich nicht dagegen wehren!

Sehr geehrter Herr Graalmann, ich könnte Ihnen noch einige solcher Beispiele aufzählen. Was mich aber besonders aufhorchen ließ war Ihre Bemerkung, dass die Bertelsmann-Stiftung (wieder einmal) mit dahinter steckt. Die Bertelsmann-Stiftung ist ja nun in den vergangenen Jahren immer wieder in Erscheinung getreten, wenn es um Maßnahmen und Gesetze gegen uns niedergelasssene Ärzte geht. Frau Leuthäuser-Schnarrenberger beklagte zu Recht, dass Gesetze in Deutschland in zunehmenden Maße von externer Seite erstellt werden. Uns sind auch genügend Verflechtungen dieser Stiftung bekannt. Auch die Beziehungen zu privaten Krankenhausträgern (Rhön-AG) ist offenkundig. Daher meine Frage: schaffen Sie auch ein Internet-Portal, in dem man gezielt gegen Medizinische Versorgungszentren dieser Träger opponieren kann, oder sind diese MVZ’s von vornherein „fein raus?“ Hierauf hätte ich also sehr gern eine konkrete Antwort Ihrerseits.

Sehr geehrter Herr Graalmann, wir ´bayerischen Hausärzte sind gegenwärtig wohl die „besten Freunde der AOK unter der Ärzteschaft“. Diese zur Zeit wirklich gute Zusammenarbeit würde nachhaltig getrübt, sollten Sie Ihre Pläne realisieren, besonders auch unter dem Gesichtspunkt, dass erhebliche datenschutzrechtliche Befürchtungen offen zu Tage getreten sind.
Sie zerstören mit Ihrer Maßnahme, mit der sich die AOK in besonderer Weise profilieren zu müssen glaubt, den Kern allen ärztlichen Handelns. Sie haben es doch gar nicht nötig, sich auf Kosten der Patienten-Arzt-Beziehung hervor zu tun. Sie schaden sich, der AOK, den AOK-Versicherten und letzten Endes allen Versicherten und uns Ärzten. Sie begeben sich auf einen Irrweg, der m.E. von Interessen außerhalb der AOK angesiedelt sind. Hier scheinen Kräfte am Werk zu sein, die ganz andere Ziele verfolgen und Sie lassen sich vor deren Karren spannen.

Im Interesse Ihrer Versicherten und dem Fortbestehen einer guten Zusammenarbeit zwischen Ärzteschafft und Krankenkassen sollten Sie diese unguten Pläne fallen lassen und sich dem verstärkt zuwenden, was allen Menschen im Lande zum Wohl gereicht.
In diesem Sinne
freundliche Grüße

Dr. med. Dietrich Heinemeyer
Facharzt für Allgemeinmedizin
Chirotherapie – Notfallmedizin
Mitglied im Bayerischen Hausärzteverband
Mitglied des RACoGP


Peak

25. Juni 2009

DocInsider Peak

DocInsider Peak

Zur Illustration, was in den letzten Tagen los war: das Chart zeigt den Verlauf der Zugriffe vorgestern zwischen 18.00 und 20.00 Uhr. 1.500 Zugriffe pro Sekunde im Peak, 3.000 Bewertungen an einem (!) Tag und ein Telefon, das seit Tagen nicht mehr still steht… Dank ans gesamte Team fürs tapfere Durchhalten!!!


BGH, Spickmich und DocInsider

23. Juni 2009

Der BGH hat sich heute höchstrichterlich zu Spickmich geäußert – es ist auch ein guter Tag für Deutschlands Patienten! Und es zeigt die breite Resonanz in den Medien und im Internet.

Eine kurze Einschätzung, welche Bedeutung das Urteil für Arztbewertungsportale wie DocInsider hat haben wir heute veröffentlicht.

Das ist nach der AOK-Ankündigung, ein Bewertungsportal starten zu wollen, bereits die zweite Meldung innerhalb weniger Tage, die für viel Diskussion sorgt – und für explodierende Bewertungen!


Berlin Open

23. Juni 2009

Gestern war Ingo Horak als Referent zu Gast bei der Open-Source Konferenz Berlin Open, und hat sich kritischen Fragen aus dem Fachpublikum gestellt. Direkt davor im selben Slot hielt der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar einen Vortrag zur Geschichte des Datenschutzes. Und so ergab es sich, dass Schaar und Horak anschließend noch kurz gemeinsam aufs Podium gebeten wurden, um Fragen zum Datenschutz im Zeitalter von Internet-phänomenen wie UGC, Social Media und Bewertungsportalen zu beantworten. Leider konnte wegen der Kürze der Zeit die Problematik nur kurz angerissen werden.

Ingo_Horak_BerlinOpen

Ingo Horak (Foto: Michael Setzpfandt)

Peter Schaar und Ingo Horak, Berlin Open

Peter Schaar und Ingo Horak, Berlin Open (Foto: Michael Setzpfandt)


Interview mit Ingo Horak auf Meedia.de

18. Juni 2009

Aus aktuellem Anlass hat Stefan Winterbauer von MEEDIA ein Interview mit Ingo Horak geführt, mit dem Titel “Patienten wissen mehr als viele glauben”, nachzulesen hier.


Peter Schaar zu Arztbewertungsportalen

16. Juni 2009

Aus aktuellem Anlass äußert sich Peter Schaar in einem Beitrag der tagesschau zu Arztbewertungsportalen und Datenschutz. Darin äußert er verschiedene Bedenken, wie sie auch schon hinlänglich bekannt sind: das Persönlichkeitsrecht der Ärzte muss respektiert werden, Manipulation muss verhindert werden, Bewertungen seien nicht objektiv.

Wir möchten aus unserer Sicht dazu einiges anmerken:

Auf DocInsider hat jeder Arzt die Möglichkeit, aktiv mitzuwirken – er kann sich registrieren, am Forum teilnehmen, Bewertungen online kommentieren oder Gegendarstellungen schreiben und wird bei neuen Bewertungen benachrichtigt. Viele Ärzte nutzen die Möglichkeit, die Patienten proaktiv zum Bewerten aufzufordern. Ein fairer Umgang miteinander und beim Schreiben von Bewertungen wird durch die Docinsider Regeln (Code of Conduct) und in den FAQ festgelegt.

Unsere Nutzer helfen uns durch das Melden von Missbrauch bei der Qualitätskontrolle der Bewertungen. Jede Missbrauchsmeldung wird sorgfältig bearbeitet. Dadurch wird das Risiko von Manipulationen minimiert.

Das Patientenfeedback sollte als ein Bestandteil in die Qualitätssicherung mit einbezogen werden, und kann nicht mit anderen QM-Verfahren, wie z.B. der Prüfung von Kliniken und Praxen durch unabhängige Experten verglichen oder durch sie ersetzt werden. Wir verstehen die Erhebung von Patientenfeedback als notwendigen Beitrag, um die Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen zu erhöhen.

Patientenbewertungen sind immer subjektiv, stellen aber, wenn sie nach auswertbaren Kriterien vorgenommen werden, im Ergebnis und in der Masse eine wertvolle, objektivierbare Ressource zur Qualitätsmessung dar. Das ISEG hat aufgrund 15-jähriger Erfahrung im Bereich Patientenforschung einen Fragenkatalog entwickelt, der den psychometrischen Anforderungen bei der Messung von Patientenzufriedenheit bestmöglich entspricht und objektivierbare, valide und verlässliche Ergebnisse liefert. Dieser bildet die Basis für den Docinsider-Fragebogen. Die 33 Detailfragen orientieren sich an den Bedürfnissen der Patienten und ermöglichen eine differenzierte Bewertung, die in der Summe valide Schlüsse auf die Gesamtqualität der Behandlung zuläßt.


Registrieren Sie Ihre Praxis bei DocInsider – kostenfrei!

16. Juni 2009

Aktiv die eigene Online Reputation zu steuern ist wichtig. „Es geht bei dem Selfmarketing weniger darum, sich selbst immer als der beste und klügste Ansprechpartner zu inszenieren, sondern vielmehr um den eigenen digitalen Ruf, den man sich durch eine gute Kundenkommunikation erarbeitet. Nach dem Motto:

Tue Gutes und lass andere online darüber schreiben. Deshalb ist eine eigene Website nur die Basis für jede weitere Kommunikation.“  (Klaus Eck)

Registrieren Sie daher kostenfrei Ihre Praxis bei DocInsider.de und gestalten Sie Ihre Online Reputation aktiv mit.

So funktioniert es:

Klicken Sie auf „Registrieren

Arztbewertug Registrieren

Wählen Sie bei der Registrierung: „Ich bin Arzt/Anbieter“ und füllen Sie das Formular aus. Unsere Mitarbeiter werden Ihre Angaben überprüfen und freischalten.

Arztbewertug Registrieren Anbieter

Vorteile einer Registrierung für Ärzte und Anbieter:

  • Sie werden in Echtzeit per E-Mail über neue Erfahrungsberichte benachrichtigt
  • Optimieren Sie Ihren Eintrag kostenfrei mit Kontaktdaten, Sprechzeiten, Leistungen und Fotos
  • Zeigen Sie Ihre Kompetenz indem Sie Fragen der Community beantworten
  • Reagieren Sie per Kommentar auf das Feedback Ihrer Patienten

Falls Sie bei DocInsider nicht gefunden werden schicken Sie eine E-Mail mit Ihren Daten an eintrag@docinsider.de. Wir werden sie innerhalb einer Arbeitswoche aufnehmen.

Ergänzen Sie anschließend die kostenfreie Online Visitenkarte Ihrer Praxis um Kontaktdaten, Sprachen, Sprechzeiten, Leistungen und bis zu 9 Fotos. Klicken Sie dazu auf „Daten ändern“ und füllen Sie die Formulare aus.

So kann Ihr Profil aussehen:

Arztbewertug Online Visitenkarte DocInsider

Leistungen:

Arztbewertug Online Visitenkarte DocInsider Leistungen

Sprechzeiten:

Arztbewertug Online Visitenkarte DocInsider Sprechzeiten

Fotogalerie:

Arztbewertug Online Visitenkarte DocInsider Fotogalerie


AOK

13. Juni 2009

Die Meldung ist wie eine Bombe eingeschlagen: “Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) wollen die Qualität der Ärzte künftig von deren Patienten, ihren Versicherten, bewerten lassen – über ein eigenes Portal im Internet”. Wir beglückwünschen die Verantwortlichen zu dieser mutigen Entscheidung und fühlen uns natürlich in unserer Arbeit bestätigt.

DocInsider hat in den letzten zwei Jahren erhebliche Überzeugungsarbeit geleistet, um die Akteure im Gesundheitswesen von den Vorteilen zu überzeugen. Wir waren – und sind auf dem richtigen Weg! Ich bin gespannt auf die Resonanz der nächsten Tage!


DocInsider nominiert für den eco Internet Award!

3. Juni 2009

Unser Erfolgskurs setzt sich fort: heute hat eco, der Verband der deutschen Internetwirtschaft, die Nominierungen für den eco Internet Award bekannt gegeben. Die DocInsider GmbH ist eine von drei Nominierten in der Kategorie Webportale – weitere Nominierte sind die mageleo GmbH und die vionto GmbH.

Die dazugehörige Pressemitteilung von eco finden Sie hier.  In zehn verschiedenen Kategorien hat die Jury insgesamt 30 Unternehmen nominiert.  In der Jury vertreten sind u.a. Dominik Grollmann, Chefredakteur der Internet World Business und Holger Fischbuch, Leiter Electronic Media der Financial Times Deutschland.

Die Gewinner werden im festlichen Rahmen der eco Gala am 18. Juni 2009 im KölnTriangle bekannt gegeben. Direkt zur Website von eco geht es hier.

Logo eco Gala 2009Nominee eco Internet Award 2009


Start-Ups internationalisieren – aber richtig!

27. Mai 2009

“You are, what you share” frei nach Jeff Jarvis, traf sich gestern Abend eine ca. 25 köpfige Gruppe aus hamburger Start-up Gründern und Mitarbeitern um sich zum Thema Internationlisierung auszutauschen. Auf Initatitve von bab.la wurde in den Räumlichkeiten von G+J über die “do’s and dont’s” der Internationalisierung von Online Services diskutiert.

Die Verantwortlichen von Jimdo.com, weblin, verwandt.de, eltern.de und bab.la plauderten, ganz operativ, ein wenig aus dem Nähkästchen wie die Internationalisierung in den eigenen Projekten umgesetzt wurde. Die Erfahrungen zusammengenommen kam eigentlich ein sehr einheitliches Bild dabei heraus, wie man seine Seite auf den international ausrollen sollte:

1.Vorbereitung ist alles I: je früher sich das Management dazu entscheidet, zu internationalisieren, desto besser lassen sich die Unternehmensprozesse darauf ausrichten.

2. Vorbereitung ist alles II: Wenn die Seite nicht im Vornhinein auf eine Internationalisierung angelegt wurde, ist es hinterher eine fürchterliche Arbeit für Praktikanten und Volontäre die Seite für die Internationalisierung vorzubereiten.

3. Neue Märkte erschließen: Internationalisierung beginnt meistens mit der Übersetzung der eigenen Seite. Da Start-Ups immer auf das Budget achten müssen gibt es eine klare Reihenfolge, nach der neue Länder angegangen werden: haben wir jemanden im Team, der die Landessprache kann? Wenn ja, kann das Land erschlossen werden. Wenn nicht, braucht man a) einen Studenten der ‘native speaker’ ist und dann in einen Country Manager konvertiert werden kann (Jimdo), die Community (weblin) oder einen Partner im jeweiligen Land (eltern.de). Wichtig ist auch, kleinschrittig vorzugehen, um Fehler zu machen. Die Fehler aus dem ersten Launch in einem neuen Land, spart man sich bei den folgenden und ist effektiver als die große Keule.

4. Country Management: der einhellige Tenor war, dass je Land ein Team von 1 – 3 Personen das Minimum ist mit dem der neue Markt bedient werden muss. Regionale Eigenheiten im CRM, Community Management und Support lassen sich für den Start dann gut bearbeiten. Je nach Freiheitsgrad und drive des Country Managements sind die Internationalen Ableger eine Bereicherung für das gesamte Projekt.

5. PR als Buzz: Fokussiert die Multiplikatoren, der zu erobernden Länder von der eigenen Idee begeistern, ebnet den Weg für einen erfolgreichen Markteintritt. Das kann über A-Blogger, Presse, die bereits vorhandene Community (WOM) oder schlicht Marketingbudgets passieren. Erfolgsrkiterium ist: ins Gespräch zu kommen und dabei den persönlichen Kontakt zum Multiplikator pflegen.

6. Monetarisierung: Geld verdienen ist schwierig, Geld im Ausland verdienen noch schwieriger. Gute Erfahrungen wurden, für den Marktstart, damit gemacht Bezahlsysteme an lokale / bzw. globale Partner auszulagern – und das so lange durchzuhalten, bis im jeweiligen neuen Land genug Verdient wird, dass es sich lohnt das Business selbst abzuwickeln. Ein Trend aus der Printvermarktung wurde auch für die Onlinvermarktung identifiziert: erfolgreiche Vermarkter arbeiten ausschließlich national.

Vielen Dank an die Orga! Ich habe auf dem Meeting sehr viele spannende Eindrücke erhalten, und freue mich auf die nächste Runde. Etwas Geld für UNICEF dürfte auch zusammengekommen sein, da ja einige Angemeldete nicht gekommen sind :-)