Mitmachen hält fit: Fortsetzung des Interviews mit unseren Ernährungsexperten


DocInsider: Wie wirkt sich eine gesunde Ernährung auf den Körper aus?

Dr. med. Peter Konopka: Sie fördert eindeutig die Gesundheit und Leistungsfähigkeit – und zwar im körperlichen und im geistigen Bereich. Die Ernährung ist die Grundlage für die Energiegewinnung des Körpers. Bestimmte Eiweißstoffe (Aminosäuren) können auf die Stimmung und die geistige Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen. Man braucht eine gute Mischung aus Kohlenhydraten, gesunden Fetten und Eiweiß sowie alle zu ihrer Verarbeitung notwendigen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und ausreichend Flüssigkeit. Bei den Kohlenhydraten sollte man darauf achten solche auszuwählen, die langsam ins Blut gehen, wie zum Beispiel Vollkornprodukte, Nudeln aus Hartweizen, Vollkornreis oder auch Obst und Gemüse, die ebenfalls gesunde Kohlenhydrate enthalten. Schnell ins Blut gehen der Kohlenhydrate, wie Zucker und zuckerhaltige Speisen sowie Weißmehlprodukte sollte man meiden, weil dadurch der Fettansatz gefördert wird – und man außerdem schnell wieder Hunger bekommt. Eine gesunde Ernährung sollte vor allem auch reichlich Obst und Gemüse enthalten, wie das der Slogan „five a day“ ausdrückt, was bedeutet: fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag – oder noch genauer ausgedrückt: drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag. Wichtig sind auch Eiweißzulagen aus mageren Eiweißspendern (siehe www.konopka-dr.de/tipps.htm#tipp2 ) zum Aufbau und zur Erhaltung der Muskulatur sowie zum Aufbau von Enzymen und Hormonen. Außerdem ist Eiweiß wichtig für die geistige Aktivität und für das Immunsystem.
DocInsider: Hannes Klesse, was sagen Sie dazu?

Hannes Klesse: Eine gesunde Ernährung nimmt Einfluss auf alles was im Körper passiert. Das heißt das man Gewicht verliert ist nur eine von vielen möglichen Verbesserungen der Lebensumstände. Hinzu kommen höhere Leistungsfähigkeit, bessere Konzentrationsfähigkeit, geringeres Risiko für Altersdiabetes, Herzkreislauferkrankungen, Krebs, Leberzirrhose und viele mehr.

DocInsider: Herr Konopka, was halten Sie von Diäten?

Dr. med. Peter Konopka: Eigentlich müsste man als Ernährungsmediziner bei dieser Frage sofort eine ablehnende Haltung einnehmen und sagen, dass Diäten nichts nützen. Aber so pauschal kann man das nicht sagen. Man darf sich nur nicht von einer Diät abhängig machen und dadurch in seinem Essverhalten unselbstständig werden. Das Wort „Diät“ kommt aus dem Griechischen und heißt eigentlich „Lebensweise“. Das beruht auf der Erkenntnis, dass eine bestimmte Lebensweise auch eine bestimmte Ernährungsweise zur Folge hat. Das sieht man am besten bei Sportlern. Ausdauersportler bevorzugten schon immer eine kohlenhydratreiche Ernährung, während sich Kraftsportlern auch schon in alten Zeiten eiweißreich ernährten. Wenn eine „Diät“ Folge der Lebensweise ist und mit ihr über ein stimmt, ist sie eigentlich eine gute Sache, weil man eine Beziehung zu Ernährung aufbaut. So kenne ich zum Beispiel eine ganze Reihe von Sportlern, die sich zur Entschlackung zumindest zeitweise vegetarisch ernähren oder auch mit der Trennkost experimentieren.

Falsch ist es jedoch, zum Beispiel im Rahmen einer Gewichtsabnahme, von einer Diät zur anderen zu springen. Das führt bekannterweise zum so genannten „Jojo-Effekt“ – man nimmt ab und schnell wieder zu, meist noch mehr als man vorher verloren hatte. Man darf eben auch in der Ernährung „das Pferd nicht vom Schwanz aufzäumen“. Die Ernährung sollte niemals an erster Stelle stehen, sondern es sollte folgende Reihenfolge eingehalten werden: richtiges Denken, richtige Bewegung, richtige Ernährung und richtige Entspannung. Nur wenn die Ernährung in die Lebensweise integriert wird und harmonisch zueinander passt, ist sie dem Menschen zuträglich – auch wenn es eine „Diät“ ist. Das heißt also: viel wichtiger als die Ernährung ist die Lebensweise mit einer positiven dynamischen geistigen Einstellung und einem richtig dosierten Bewegungsprogramm. Dann schmeckt auch das, was allgemein als gesund empfohlen wird.

Im Sport heißt eine wichtige Regel: „Nicht das Essen macht den Meister, sondern der Meister macht sich sein Essen!“ Für den normalen Bürger könnte diese Regel so lauten: „Lebe so, dass dir das schmeckt, was gesund ist!“

DocInsider: was sagen Sie zu Diäten Herr Klesse?

Diäten sind zuallererst ein abgenutzter Begriff. Drei-wöchige-Ananas-Diäten (oder was einige Hausfrauenzeitschriften heute versuchen an die Frau zu bringen) bringen nun einmal gar nichts, außer vielleicht einem Wasserverlust und einem einhergehenden Motivationsschub.

Dem durchschnittlichen Übergewichtigen empfehle ich generell weniger über kurzzeitige Gewichtsverluste nachzudenken, sondern Ernährungsfehler alleine oder mit professioneller Hilfe zu identifizieren und einzuschränken, und einen langsamen aber dafür langfristigen Gewichtsverlust anzustreben.

Eine Diät die über zwei Monate und länger angelegt ist, sinnvoll geplant ist (Kalorienzufuhr und -verbrauch, Nahrungszusammensetzung, und Disziplin) kann für bestimmte Menschen sinnvoll sein. Hierzu zählen zum Beispiel Sportler, die ein Wettkampfgewicht anstreben. Oder Menschen die schon immer in Form waren, und nun ein etwa 5-10 kg niedrigeres Körpergewicht anstreben. Diäten funktionieren aber generell nur mit Disziplin, Kenntnis der eigenen Stoffwechselvorgänge, und vor allem Sport.

Kein Sport würde zum Verlust von Muskelgewebe führen, was wiederum den Kalorienverbrauch erniedrigt. Anschließend müsste auch die zufuhr immer weiter gesenkt werden (was alleine aus Gründen der Lebensnotwendigkeit nicht möglich ist), und es kommt zum allseits gefürchteten jojo-Effekt.

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