FAS: Twitternde Ärzte, Live-Berichte aus dem OP…


Nicola Kuhrt berichtet in der aktuellen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über einen neuen Trend aus den USA: via Twitter wurde live aus dem Operationssaal über den Verlauf einer Gebärmutterentfernung berichtet – Angehörige der Patientin und interessierte Internetnutzer konnten so jeden Operationsschritt live mitverfolgen. Eine Video-Liveübertragung aus dem St. Luke’s Hospital in Iowa wurde zuvor von vielen Betrachtern als zu drastisch erlebt.

Deutsche Ärzte stehen dem Twittern aus dem OP sehr skeptisch gegenüber. Einerseits störe das die Konzentration während der OP, andererseits sei es unter Datenschutzaspekten kritisch zu betrachten. Zwar liege keine Verletzung der Schweigepflicht vor, wenn der Patient zuvor der Liveübertragung eingewilligt hat. Fraglich ist jedoch, ob z.B. im Fall von Komplikationen die Twitterei zuträglich ist. Von „großem Unbehagen“ bis zu „grobem Unfug“ lauten daher die Urteile deutscher Chefärzte und Chirurgen.

Abseits von diesem kritisch zu betrachtendem Einsatz von Twitter gibt es jedoch auch viele Einsatzmöglichkeiten der neuen Kommunikationskanäle im Internet, die zu einem konstruktiven Dialog zwischen Ärzten und Patienten beitragen, und das Wissen auf beiden Seiten mehren. Ein Beispiel ist die Twitter-Seite des Klinikums der Universität München, die sich regen Zuspruchs erfreut. Der Kinderarzt Kai Sostmann von der Berliner Charité entwickelt eine Online-Schulung für chronisch kranke Patienten, bei der via Twitter, Facebook und Blog kommuniziert wird. Gerade für Patienten, die ans Krankenbett oder die eigene Wohnung gefesselt sind, kann das Internet als Kommunikationsmittel eine große Hilfe darstellen.

Der Anteil der twitternden Ärzte liegt in Deutschland jedoch noch bei unter 1 Prozent, weiss Ingo Horak, Geschäftsführer von DocInsider. Für viele Ärzte sei das Internet immer noch „Teufelswerk“. Dabei bietet gerade der offene Austausch mit Patienten einen echten Wettbewerbsvorteil: „Jeder Follower bei Twitter ist doch ein potentieller Kunde für den Arzt“, so Horak in der FAS.

Unser Portal arbeitet kontinuierlich daran, die Schwellenängste der Ärzte gegenüber dem Internet und Patientenbewertungen abzubauen, z.B. indem sich die Ärzte mit ihrem Fachwissen konstruktiv einbringen können und mit ihren Patienten – auch und gerade den kritischen – in Kontakt treten können. Denn nur durch das konstruktive Aufnehmen und Verarbeiten der Patientenkritik lässt sich die Behandlungsqualität (sofern sie denn überhaupt zu wünschen übrig lässt) dauerhaft verbessern. Und, zu guter Letzt: eine positive Bewertung ist immer noch die beste Werbung für jeden Arzt.

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